#Gespräche zur Lichtkultur No4

 

Mit der vierten Ausgabe der "Gespräche zur Lichtkultur" konnte einmal mehr der Ruf des Formats als Plattform für Fragen zeitgenössischer Lichtgestaltung gefestigt werden. Auf der Bühne des Essener Grillo-Theaters kam der Krefelder Medienkünstler Nils Voges, der Hamburger Lichtkünstler Michael Batz und die Zürcher Autorin Dr. Bernadette Fülscher ins Gespräch über Spielräume zwischen Bühneninszenierung und Stadtgestaltung.

Nils Voges lieferte groß-gebeamte Bilder zu seinen "sputnic"-Inszenierungen, in denen es echten Darstellern gelingt, phantastische Bilder auf kleinen Spieltischen zu erzeugen. Hier werden Dimensionen neu interpretiert und Insekten mühelos zu Monstern macht. Deutlicher als der Theatermacher Michael Batz hatte danach noch kein Impulsreferent in der Gesprächsreihe des Lichtforum NRW mehr Lichtkultur eingefordert. Seine "Standortbestimmung zwischen den Welten" hat das Zeug zur Pflichtlektüre für alle, die planen, Licht ins Dunkel zu bringen. Denn Licht sei vor allem eine Sprache im elektrischen Theater der Städte, sagt Batz: "Heute wird gebaut, um tags zu spiegeln und nachts zu leuchten. Und die Stadtmitte ist da, wo es am hellsten ist." Es herrsche eine "Schlacht um Aufmerksamkeit und ein Wettrüsten der Wattzahlen". Das Event mit seinen Lichtfingern im Nachthimmel als "ewig langweiliges Gefuchtel mit den ewig gleichen Instrumenten: Es ist nichts, aber es ist wahnsinnig erfolgreich und gilt als Kunst." Für Michael Batz ist Stadt nicht nur Planungsraum, sondern ein Freiraum für Imagination, den wir uns erkämpfen müssen, damit sich die eigene Vorstellungskraft, die eigene Geschichte wieder gegen den "energetischen Geschmacksverstärker Licht behaupten kann".

Dr. Bernadette Fülscher schließlich präsentierte ihre Forschung über die Neu- und Umgestaltung von Unterführungen und Tunneln in ihrer Schweizer Heimat. Dabei ist sie bei ihrer akribischen Lichtkunstsammlung zur Überzeugung gelangt, dass sich "Inszenierung" theatralisch wie städtisch überhaupt in vier Grundtypen fassen lässt: Von der effektvollen Präsentation musealer Gegenstände über die Verwandlung eines Romanstoffs zum Stück und die Simulation beispielsweise der Sonne in Eliassons Wetterprojekt bis zur Erschaffung neuer Welten in Bühnen- und Stadträumen.

Die Aussprache mit dem Publikum wurde mit der Frage nach Themen und Themensetzern für die Lichtgestaltung im öffentlichen Raum eröffnet. Bernadette Fülscher zog sich diplomatisch auf die gestalterische Vielfalt zurück und mochte sich nicht festlegen lassen: "Wie im Theater ist alles möglich". Medienkünstler Nils Voges, der sich durchaus vorstellen kann, seine auf der Bühne live animierten Licht- und Schattenspiele in den öffentlichen Raum zu bringen, warnte vor einem Überangebot der Effekte, die immer überall ständig in Bewegung sind und um Aufmerksamkeit buhlen. Voges: "Wenn etwas hell sein soll, macht man‘s dunkel drum herum. Wenn alles immer hell ist, hat man nur noch Brei und Rauschen."

Bestätigt und ergänzt wurde Voges´ Warnung dann auch von Lichtgestalter Michael Batz, der die Illumination und den "Jedermann" in die Hamburger Speicherstadt gebracht hat und der sich "Dämme gegen die Lichtflut in den Städten" wünscht. Batz: "Wir sind Lichtjunkies und umgeben uns mit Leuchtdichten, die unseren Großvätern Schmerzen bereitet hätten. Das wird noch schlimmer werden, doch wir sollten nie vergessen, die Helden von heute sind die Clowns von morgen."

"Wir brauchen Stille, wir brauchen Finsternis", fordert Batz schließlich in einem persönlichen Schlusswort, für das er ebenso viel Beifall erhält wie für seinen Impulsvortrag früher am Abend: "Die Dunkelheit ist unser Rohstoff. Eine sehr wertvolle Ressource und nicht ein Feind, den man vertreiben muss. Tun Sie etwas für die Gesundheit Ihres Denkens und Ihres Geistes. Darum gehen Sie in die Apotheke, wenn Sie an Licht denken, und nicht in den Supermarkt."

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