#Gespräche zur Lichtkultur No5

 

Das der Gebrauch von künstlichem Licht im öffentlichen Raum nicht nur positive Effekte hat, sondern handfeste Probleme mit sich bringen kann, machten die fünften Gespräche zur Lichtkultur mehr als deutlich. Über den Verlust der Nacht und die Folgen einer steigenden Lichtverschmutzung referierten und diskutierten im 40 Meter hohen Tragluft-Radom der Bochumer Sternwarte Astronom Andreas Hänel, die Wissenschaftlerin Sibylle Schroer und Lichtgestalter Herbert Cybulska.

Als Leiter des Osnabrücker Planetariums ist Andreas Hänel schon von Berufs wegen an einem dunklen Nachthimmel interessiert. Beharrlich setzt er sich mit seiner DARK SKY-Initiative schon seit vielen Jahren für die Bewahrung der Sichtbarkeit des Sternenhimmels ein. Auf seiner Internetseite „www.lichtverschmutzung.de“ stellt der engagierte Astronom eine Fülle an Informationen bereit, um zu sensibilisieren und aufzuklären. Nicht zuletzt seiner Unterstützung ist es zu verdanken, dass u. A. der Naturpark Westhavelland, der Nationalpark Eifel (vorläufig) und das UNESCO Biosphärenreservat Rhön als Sternenparks anerkannt wurden. Sehr praxisorientiert und anschaulich zeigte Hänel wie Lichtverschmutzung entsteht und Planer, politische Entscheider und nicht zuletzt jeder von uns dazu beitragen kann, sie einzudämmen.

Sibylle Schroer will ebenfalls aufklären, damit die wir in der Breite erkennen, dass Lichtverschmutzung ein konkretes und folgereiches Phänomen der modernen Gesellschaft ist. „Wir müssen viel stärker in die Öffentlichkeit wirken, denn Licht ist mehr als Energiesparen“, sagt die Expertin des Berliner Leibniz-Instituts IGB. Neben den negativen Effekten für Flora und Fauna verweist Sie auch auf die biologische Wirkung des Lichts auf den Menschen und fordert u. A. zusätzlich zur Energieklassifizierung eine deutlichere Verbraucherinformation über entsprechende Blauanteile im LED-Spektrum. Zudem wünscht sich die Wissenschaftlerin mehr Anerkennung und politische Aufmerksamkeit für das noch junge Forschungsgebiet. Viel zu oft wird das Thema Lichtverschmutzung in der Förderlandschaft vernachlässigt und fällt hinter vermeintlich größeren Umweltproblemen zurück.

Der Lichtgestalter und gelernte Beleuchtungsmeister Herbert Cybulska lieferte als dritter Referent einen sehr informativen Streifzug durch seine Projekte aus der Praxis. Hier erkennt man den gestalterisch-kreativen Transformationsprozess, der ihn erst in den letzten Jahren konsequenter dazu anhält, auch Aspekte zur Vermeidung von Lichtverschmutzung im Entwurfsprozess abzubilden – stets auch im Gegenspiel mit seinen Auftragnehmern, die hier weniger sensibilisiert sind. Gleichwohl braucht es bei gewissen Aufgaben und Inszenierungen auch gestalterische Gesten, die einen verschwenderischen und dekadenteren Lichtgebrauch mit sich bringen würden – selbstredend und zeitlich und räumlich beschränkt.

Am Ende zeigte sich das Publikum beeindruckt von den Nachtlicht-Impulsen zu den “Kontroversen zur Schönheit und dem Schutz der Nacht” unterm (immer noch aktiven) Radioteleskop in Bochum. Die Diskussionsteilnehmer fragten sehr sachverständig nach Konsequenzen für die private und öffentliche Planung. Und schließlich mündete auch das fünfte, von Dennis Köhler moderierte Gespräch zur Lichtkultur, in der Forderung nach Licht-Grenzwerten und verbindlichen Gestaltungsrichtlinien; nach der stringenteren Erstellung und Einhaltung von Lichtmasterplänen.

So konstatierte ein astronomisch interessierter Teilnehmer im Publikum, dass das „Thema Licht in den kommunalen Gremien nicht wirklich besetzt“ sei. Ganz im Gegensatz zur Fahrradfreundlichkeit: „Da gibt es europäische Richtlinien und quirlige Akteure, die mit dem Zollstock durch die Stadt laufen, um Bordsteinhöhen auszumessen.“ Das Stichwort „quirlig“ nutzte der viermalige Lichtdesign-Preisträger Herbert Cybulska schließlich, um den Fokus auf Licht-Akteure zu lenken, die kaum jemand auf dem Schirm habe, die jedoch in den Städten immer mehr Einfluss gewinnen: „Google hat angeboten, der Stadt Hamburg die Straßenbeleuchtung zu schenken. Allerdings werden da mit dem vernetzten LED-Downlight in der Shopping Mall Datenfischnetze allererster Güte aufgespannt. Und Kunden bekommen mit dem smarten LED-Licht gleich die Werbe-Message aufs Smartphone gesendet“ – ob diese Akteure Interesse an einem dunklen Nachthimmel oder dem Schutz nachtsensitiver Ökosysteme haben, wäre hingegen sehr fraglich.

Gleichwohl öffnet diese „smarte“ Zukunft durchaus Möglichkeiten für eine differenziertere und präzisere Beleuchtung, was damit zur Eindämmung von Licht am falschen Ort und zur falsche Zeit führen kann. Würde dadurch eine nutzungsabhängige Beleuchtung ermöglicht, könnten Astronomen, Biologen wie auch Stadtkämmerer gleichsam profitieren.

Text: Fank Vinken/ Dennis Köhler

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